Abstract
Ausgehend vom Konzept des Linguizismus – also der Diskriminierung aufgrund von Sprache – erfolgt eine linguizismuskritische Beleuchtung des österreichischen Bildungssystems. Trotz bildungspolitischer Maßnahmen tragen schulische Normvorstellungen, insbesondere die einseitige Orientierung an monolingualen Standards, zur Marginalisierung mehrsprachiger Schüler*innen bei. Statistiken zeigen Benachteiligungen von Schüler*innen mit anderer Erstsprache als Deutsch – etwa bei Übergangsempfehlungen, Bildungsstandards und Schulabbrüchen. Neo-Linguizismus äußert sich in Sprachgeboten und beinhaltet Vorurteile, die über den Stereotype-Threat-Effekt Leistungsnachteile verstärken. Mit Verweis auf Inci Dirim wird herausgearbeitet, dass sprachliche Vielfalt als gesellschaftliche Normalität und pädagogisches Potenzial zu begreifen ist. Der Beitrag plädiert für einen Perspektivenwechsel: weg von Defizitzuschreibungen, hin zur Anerkennung von Multilingualität als Ressource. Als zentrale Entwicklungsfelder werden Sichtbarmachung und Wertschätzung aller Erstsprachen, sprachsensibler Fachunterricht in allen Unterrichsgegenständen, Lehrkräftebildung sowie angepasste bildungspolitische Rahmenbedingungen identifiziert.

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